Abriss Historie Schloss

Kurzer Abriss der Historie des Alten Schlosses
Das Alte Schloss in Büdesheim ist neben der evangelischen Kirche das einzige steinerne Überbleibsel einer mehr als tausendjährigen Geschichte unseres Ortsteils und eine wirkliche Quelle der Erkenntnis über das menschliche Leben für alle, die das Wort des Frankfurter Philosophen Adorno für wahr halten: Wer nicht weiß, wie was geworden ist ist, kann nicht wissen, wie was werden wird. Die Geschichte der Besiedlung dieses Basaltrückens auf der charmanten Nidderhalbinsel und der von dort ausgehenden Bewirtschaftung unserer Gemarkung lässt sich grob in vier große Abschnitte gliedern:

I. Das Alte Schloss in Klosterhand (9.Jhdt. – Mitte 16.Jhdt.)
Spätestens 817 hat ein Mann namens Einhard seinen Wirtschaftshof auf dieser Halbinsel samt Menschen und Äckern in der Gemarkung dem Bonifatiuskloster in Fulda vermacht, das dem Kaiser gehört, also ‚reichsunmittelbar‘ ist. 200 Jahre später verschenkt Kaiser Heinrich II. diesen inzwischen Bruderhof genannten Besitz an das Michaelskloster in Bamberg, das ihn trotz der für mittelalterliche Verhältnisse gefährlich weiten Entfernung über ein halbes Jahrtausend in Besitz behält. Ganz offensichtlich war die Ertragskraft des Hofgutes der hierfür entscheidende Grund und die Mönche wussten offenbar besser damit zu wirtschaften als die Gemeinde Schöneck!

II. Das Alte Schloss in Ritterhand (Mitte 16.Jahrhundert – Mitte 18.Jahrhundert)
1554 kauft der Friedberger Burggraf Johann Brendel von Homburg für 4000 Gulden Hof und Land und über 200 Jahre bleibt nun das ‚Schloss‘ im Besitz Friedberger Burggrafen. Die Grabplatten in der evangelischen Kirche (Freiherr Johann Gottfried Schütz von Holzhausen und eine namentlich nicht bekannte Frau aus derselben Familie) legen dafür Zeugnis ab. Streit zwischen der Herrschaft und den Leuten im Dorf gibt es nun noch mehr, wie die Gerichtsprotokolle belegen, aber die Burg Friedberg bietet auch Schutz in kriegerischen Zeiten. Ohne diese Fluchtmöglichkeit gäbe es Büdesheim vermutlich nach dem 30jährigen Krieg (1618 -1648) nicht mehr.

III. Das Alte Schloss in Privathand (Mitte 18.Jahrhundert – Mitte 20.Jahrhundert)

1768 kauft die wohlhabende Frankfurter Patrizierfamilie von Edelsheim das Alte Schloss und seinen Besitz und machte es zu Beginn des 19.Jahrhunderts zu ihrem Familienstammsitz. Damit beginnt eine Phase der größten wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Alten Schlosses. Wilhelm von Edelsheim führt moderne landwirtschaftliche Methoden ein, spezialisiert das Hofgut auf die Saatguterzeugung, drainagiert nasse Ackerflächen, schafft einen ersten Maschinenpark an und baut neue Wirtschaftsgebäude.

Hierauf kann Georg Berna, der den Edelsheimern das Alte Schloss 1860 abkaufte, erfolgreich aufbauen und in nur fünf Jahren eine wahre landwirtschaftliche Revolution in Gang setzen, an dessen Ende das Alte Schloss zum Mustergut in der Wetterau wird. Prunkstück ist die Maschinenhalle, in der eine einzige englische Dampfmaschine insgesamt acht unterschiedliche Arbeitsmaschinen antreibt.
Leider stirbt Georg Berna 1865 mit 27 Jahren an Diphterie und seine noch sehr junge Frau Marie überträgt die Bewirtschaftung des Gutes von nun an Verwaltern (Familie Draudt 1867 – 1907, Familie Kohlhage 1907 – ca. 1950, 1962 bis heute Familie Maag). Ihr zweiter Mann, Graf Waldemar von Oriola, hat kein Interesse an der Landwirtschaft. Er ist in Politik und Kunst zuhause, wird Reichstagsabgeordneter, lässt das Neue Schloss errichten und legt zusammen mit seiner Frau eine bedeutende Gemäldesammlung an.

So folgt auf die wirtschaftliche Blüte auch eine kulturelle. Das Alte Schloss mit der gesamten Schlossanlage einschließlich des Neuen Schlosses wird zum Treffpunkt bedeutender Künstler, Wissenschaftler und Angehöriger der wilhelminischen Hocharistokratie. Namen wie Kaiserin Victoria, Tochter der gleichnamigen englischen Queen und Witwe des deutschen Kaisers Friedrich III. , Fürstin Johanna von Bismarck, Frau des Reichskanzlers Otto von Bismarck, oder Clara Schumann, Deutschlands berühmteste Komponistin und Pianistin des 19. Jahrhunderts gehören zu den Personen, die hier Besuche abstatten, übernachten und, man kann es aus heutiger Sicht kaum mehr glauben, ihren Urlaub verbringen.

Nach dem Tod des Grafen und der Gräfin setzt ein allmählicher wirtschaftlicher Niedergang ein, der auch zum kulturellen Ausverkauf führt. So muss bereits 1927 das bedeutendste Gemälde, Die Toteninsel von Arnold Böcklin, verkauft werden. Es hängt heute im Museum of Modern Art (MoMA) in New York. 1942 wird das Neue Schloss verkauft und 1962 schließlich verkaufen die letzten Erben von Marie von Oriola, Frau von Buttlar und Frau Sommerhoff, das Alte Schloss und das Hofgut an die Nassauische Heimstätte, von der es die Gemeinde Büdesheim 1968 für 350.000 DM erwirbt.

IV. Das Alte Schloss in Gemeindehand (1968 – 2016 ???)
Zunächst ist man seitens der Gemeinde stolz auf diese Erwerbung und hat auch Ideen, was man daraus machen könnte. Stattdessen aber macht man gar nichts und 1974 ist es soweit: das Alte Schloss ist verdreckt und verkommen und die SPD spricht von der Spitzhacke, mit der das Problem zu lösen sei. Und die Argumente sind fast wörtlich die gleichen, die wir jetzt wieder hören: „Eine Renovierung des alten Gebäudes in Büdesheim würde Unsummen verschlingen“ , verkündet die SPD.(siehe Frankfurt Rundschau vom 24.02. 1974, S.12)

Schon damals bildet sich eine Bürgerinitiative über alle Parteiengrenzen hinweg, die diese Entwicklung verhindern will, siehe Flugblatt „Rettet das Alte Schloss.! Verhindert den Verkauf des gemeindeeigenen Schlosses an eine private Hotelgemeinschaft! Und in der Tat, es gelingt. Abriss- und Verkaufspläne werden in die Schublade gelegt.

Im Gegenteil, 1979 beauftragt die Gemeinde den Limburger Architekten Franz Josef Hamm, ein Gutachten zur Sanierung und Umnutzung zu erstellen. Es kommt zu dem Ergebnis:

„…, dass das von der Gemeinde geplante Bauprogramm in dem Gebäude unterzubringen ist und dass das Objekt aufgrund seiner baugeschichtlichen Bedeutung aber auch wegen seines konstruktiven Zustandes durchaus sanierungswürdig und sanierungsfähig ist“ (1175 Jahre Büdesheim, S.537)

Nun folgen 6 Jahre (!) sorgfältigste Vorarbeiten und Bestandsanalysen, ehe die tatsächliche Sanierung 1986 begonnen und am 9.Dezember 1989 mit einem Festakt abgeschlossen wird. Und wie man jetzt erfährt mit Gesamtkosten in Höhe von 4,8 Millionen DM!

Und dann passiert das Unglaubliche, das Spiel beginnt von vorne. 25 Jahre lang bleibt das Alte Schloss sich selbst überlassen, ehe man erneut die alten Verkaufspläne aus der Schublade holt. Und der wesentliche Unterschied zu 1974 ist: aus dem „Unsummen verschlingenden“ Gebäude ist ein „Fass ohne Boden“ geworden!